„In Europa ist im Hochschulbereich eine Jahrhundert-Reform im Gange! Angestrebt wird ein möglichst durchlässiger und in seinen Strukturen kompatibler ‚Europäischer Hochschulraum’, dies allerdings unter Berücksichtigung der kulturellen, sprachlichen und bildungspolitischen Vielfalt“
Dr. R. Nägeli
Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten, 2003
Der Anstoss zur IGW-Studienreform kam aus Italien. Die folgenden Abschnitte skizzieren die Leitlinien der grossen europäischen Bildungsreform.
„Bologna“ steht für eine tiefgreifende, internationale Reform aller europäischen Hochschulen. Am 19.Juni 1999 verabschiedeten 29 Bildungsminister die Erklärung von Bologna. Darin bekräftigten sie die Errichtung eines europäischen Hochschulraums und die Förderung der europäischen Hochschulen. Die zentralen Anliegen waren:
- Die Einführung eines Systems leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse
- Die Einführung eines Leistungspunktesystems als geeignetes Mittel der Förderung grösstmöglicher Mobilität der Studierenden
- Die Förderung der Mobilität durch Überwindung der Hindernisse, die der Freizügigkeit in der Praxis im Wege stehen
- Die Förderung der europäischen Zusammenarbeit bei der Qualitätssicherung
Es folgten Treffen der Bildungsminister in Prag (2001), Berlin (2003) und in Bergen (2005, 45 Unterzeichnerstaaten), wobei die angestrebte Reform bestätigt und konkretisiert wurde.
Die Herausforderungen
Kontinental-europäische Hochschulabsolventen sahen sich weltweit immer wieder mit zwei Schwierigkeiten konfrontiert: Die stark national bestimmte europäische Hochschulpolitik sah sich gegenüber dem einfachen angelsächsischen System im Nachteil. Zudem orientierte sich die aktuelle Spitzenforschung primär an angelsächsischen Trends und Standards. Eine Anpassung lag daher nahe. Im Folgenden werden einzelne Ziele der Bologna-Reform näher erläutert.
Neue Studienstruktur
Die neue Studienstruktur ist zweistufig gestaltet. Die Bachelor-Stufe schliesst nach mindestens drei Jahren ab und erfordert 180 Credits. Die zweite Stufe endet nach 1–2 Jahren bzw. 90–120 Credits mit dem Masterabschluss. Beide Abschlüsse befähigen zur Berufsausübung.
Leistungspunktesystem
Die Bologna-Reform definiert auch die vergleichbare Anrechnung von Studienleistung. Mit dem „European Credit Transfer System“ (Abkürzung: ECTS) führt sie eine Art „Hochschulwährung“ ein. Dem von einem Vollzeitstudierenden innerhalb eines Jahres zu erbringenden Arbeitsaufwand von 1800 Stunden werden total 60 Kreditpunkte – sogenannte ECTS-Credits – zugewiesen. Ein ECTS-Credit entspricht so rund 30 Arbeitsstunden.
Modularisierung
Studiengänge werden konsequent baukastenartig strukturiert. Die einzelnen Module stellen abgeschlossene, überprüfbare Einheiten dar und zielen auf klar definierte fachliche, methodische, soziale und persönliche Kompetenzen.
Bologna-Reform und IGW International
Die Bologna-Reform löste bei IGW die Studienreform 2010 (SR 2010) aus. Da wir bereits seit Bestehen von IGW nach dem angelsächsischen System arbeiteten (modular, Credits, zweistufig) konnten wir auf bestehende Erfahrungen aufbauen.
Dr. Fritz Peyer-Müller, Rektor
