Fest mit der Studienreform verbunden ist das Motto „Life Change“ – Lebensveränderung. Diese ist schwierig – aber nötig.
Jesus gab oft Überraschendes und Verblüffendes von sich. Manchmal aber sprach er auch einfach das Offensichtliche aus: „Keiner, der alten Wein kennt, will jungen trinken. Er sagt: Der alte ist viel besser!“ Diese Aussage aus Lk 5,39 vermag nicht einmal jene zu überraschen, die von Wein keine Ahnung haben. Aber ihr Wert besteht auch nicht in revolutionärer Sprengkraft, sondern im enthaltenen Trost.
Jesus kam mit einer revolutionären Botschaft und war sich bewusst, dass er damit viele Menschen an die Grenzen ihrer Veränderungsbereitschaft führte. Den Pharisäern war ihre Fastenpraxis ans Herz gewachsenk, und in Lk 5,33-39 wird berichtet, wie sie Jesus konfrontierten, weil dessen Jünger die rigorosen Vorgaben nicht ebenso einhielten. Die Antwort muss sie ordentlich brüskiert haben: „Könnt ihr etwa von den Hochzeitsgästen verlangen, dass sie fasten, während der Bräutigam noch bei ihnen ist?“ Kurz gefasst bedeutet das: „Ich bin wichtiger.“ Jesus ist wichtiger als die fortgesetzte (und manchmal unreflektierte) Pflege des Althergebrachten. Die auf diese erste Antwort folgenden Bilder vom Flicken auf dem alten Kleid und dem jungen Wein in den alten Weinhäuten unterstreicht das: Mit dem Kommen Jesu hat etwas Neues begonnen. Das kann bedrohlich wirken, vor allem wenn Bewährtes plötzlich in Frage gestellt wird. Doch die abschliessende Erklärung, dass Weinkenner einen reifen Tropfen bevorzugen, ändert den Charakter des ganzen Abschnittes: Er ist nicht Bedrohung, sondern Einladung. Denn Jesus weiss um das menschliche Zögern, und vor dem Hintergrund dieses Wissens sagt er nun: Lass dich auf das Neue ein – auch wenn es schwierig ist. Denn ich bin wichtiger.
Kampf dem Gewohnheitstier!Das Gewohnheitstier in uns sträubt sich nach wie vor gegen solche Aufbrüche. Daran hat sich in zweitausend Jahren nichts geändert. Am Alten hängen zu bleiben oder zum Neuen aufzubrechen, sind jedoch keine gleichwertigen Optionen. Jesus lädt zur Veränderung ein - und er will auch, dass wir kommen. Natürlich können wir uns entscheiden, stehen zu bleiben. Aber Jesus bringt Neues, damit wir uns darauf einlassen.
Das Leben bietet uns täglich eine Fülle von Gelegenheiten, alte Denk- und Verhaltensmuster aufzugeben und uns auf Veränderung einzulassen. Wie gut wir solche Gelegenheiten nutzen, entscheidet sich daran, ob wir in einem konstanten Prozess von Umkehr und Glauben leben. Dieser Prozess ist nichts anderes als die Grundlage gelebter, echter Jüngerschaft. Trotz unserer menschlichen Natur und unseren Schwächen: Für gehorsame Nachfolger Jesu gibt es nur eine Option (auch wenn die tägliche Einladung von Jesus unsere Zustimmung verlangt): Tag für Tag – mitten im Leben und Studieren – gehorsam diesen Prozess zuzulassen und durchzuarbeiten. Das macht uns zu Menschen, die lebenslang lernen, und mehr und mehr ins Bild Jesu verwandelt werden.
Dies bedeutet: Kampf dem Gewohnheitstier! Es gibt keine Veränderung ohne den Sieg über das Gewohnheitstier! Life Change steht und fällt mit der Überwindung der eigenen Trägheit und der alten eingeschliffenen Lebensmuster.
Michael Girgis, Co-Rektor
Cla Gleiser, Studienleiter

