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Wiese oder Blume?

Gemütlich sitze ich auf der Veranda des kleinen, alten und abgelegenen Bergbauernhauses. Kein Strom und kein fliessendes Wasser, dafür eine atemberaubende Aussicht auf die Berner Berge. Wie anmutig sich doch die grünen Matten, von der Abendsonne in goldenes Licht getaucht, an die Hänge schmiegen. Kurz darauf schlendere ich von der Veranda durch die prächtige Blumenwiese zum nahen Brunnen. Wie wunderschön vielfältig die Schöpfung sich zeigt. Gelbe, violette, weisse Blumen. Solche mit kurzen Stielen, an langen Halmen, mit einer oder vielen Blüten. Ein Feuerwerk der Natur vor meinen Augen und unter meinen Füssen.

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Und auf einmal wird mir bewusst: Was ich da drüben in der Ferne als Wiesen in einheitlich grüner Farbe wahrnehme, sind eben solche zauberhaften Blumenwiesen wie die um unser altes Bauernhaus. Millionen dieser verschiedenen Blumen bilden aus der Ferne das einheitliche Grün. Das Grün löst sich auf in unzählige einzelne Farbtupfer, je näher ich der grünen Alm komme.
Und ich merke: Wie oft sehe ich nur die grüne Wiese. Die Wiese dort drüben. Und ich sehe nicht die einzelnen Blumen, weil ich nur aus der Distanz betrachte, weil ich pauschalisiere, schubladisiere, kategorisiere, simplifiziere.

Eigentlich will ich das gar nicht. Ich sage: „Die dort drüben, die Wiese dort, die sieht nicht die einzelnen Blumen.“ Und schon sehe ich selber „die dort drüben“ nur als Wiese. Eben hat mir ein guter Freund im Gespräch gesagt, dass er viel Kritik bei mir wahrnehme. Er hat wohl recht (Mist!). Ich habe über eine bestimmte „Wiese“ gesprochen. Ich hatte nicht die Bilder der einzelnen, farbenprächtigen Blumen vor mir.

Bitterkeit und Kritik entsteht, wenn ich statt der Farbenpracht nur Grün wahrnehme und pauschalisiere. Ich lasse mich aus über Grün, das es so allgemein gar nicht gibt, und meine Kritik läuft ins Leere.
... Und wir alle übersehen dabei die Vielfalt, die Schattierungen, den Einzelnen und die Einzelne. Jesus Christus hat immer wieder die Blume gesucht und gefunden.
Er hat nicht gesagt: „Ach die Beamten, die sind halt so und so“. Jesus sah dem Einen in die Augen (Lk 19:5).
Er hat nicht gesagt: „Alle diese IV-Rentner, was will man da schon ausrichten“. Er hat sich dem Einen genähert und diesen geheilt (Joh 5:5-7).
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Wer sich selbst von Blumen umgeben sieht, aber drüben nur die Wiese wahrnimmt, ist auf dem Holzweg. Hüben wie drüben.

Was sind deine „Wiesen“?

Dieser Beitrag stammt vom Blog sola-scriptura.ch von David Jäggi (Mitarbeiter IGW). Der ganze Artikel und weitere Beiträge kann hier angesehen werden.