Durch den Balkan getourt

23.08.2022

Evi Rodemann ist im IGW Vorstand und dort ebenso als Dozentin tätig. Im Sommer 2022 zog sie mit jüngeren und älteren Leitenden los, um Leitende im Balkan zu ermutigen,

Titel

European Encouragement Tour

“Ihr seid die ersten Personen, die uns besuchen und einfach nur Zeit mit uns verbringen und unsere Geschichten und Erfahrungen hören wollen“, sagte Sajmir aus Lushjne in Albanien. „Normalerweise zieht es die Besucher immer in die Hauptstadt und kaum jemand kommt uns mal besuchen. Und wenn, dass ist es immer dienstlich, aber selten geht es um uns“.

Das war genau das, was wir uns von dieser Tour erhofft hatten. Unter dem Dach von der Organisation LeadNow reisten wir mit sieben jungen und älteren Leitenden (26-51 Jahre alt) aus Deutschland und den USA drei Wochen (23. Juli bis 12. August 2022) mit unserer europäischen Ermutigungstour durch den Balkan. Unser Anliegen war es, die (jungen) Leitenden zu ermutigen, ihre Umstände, in denen sie sich bewegen, kennenzulernen und ihre Geschichten zu hören. Dabei wollten wir auch erfahren, mit welchen Herausforderungen sie vor Ort und in ihrem Land zu kämpfen haben.

Insgesamt waren wir fast 7000km unterwegs und starteten von Hamburg aus bis nach Thessaloniki und wieder zurück.

Auf dieser Route bereisten wir Tschechien, Österreich, Ungarn, Slowakei, Serbien, Kosovo, Nordmazedonien, Bulgarien, Griechenland, Albanien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Slowenien und zurück über Osterreich nach Deutschland.

Auf unserer Tour waren wir umgeben von atemberaubenden Bergen und besondere Landschaften, die uns öfter die Sprache verschlagen haben. Gottes Schöpfung im Balkan ist sehr eindrücklich und es gab viele Momente, wo wir Gott dafür gefeiert haben.

Was Ermutigung bedeutete

Die Leitenden, die wir getroffen haben, waren Personen, denen ich durch Mission-Net Kongresse, dem IGW, der Lausanner Bewegung, der Evangelischen Allianz oder durch das Europäische Leiterschaftsforum begegnet bin.

Das Team hatte die Möglichkeit, sie alle kennenzulernen und mit ihnen Zeit zu verbringen. Diesen Leitenden in ihren Kontexten zu begegnen, war sehr besonders.

In den meisten Fällen fanden die Begegnungen und Treffen in den entsprechenden Hauptstädten statt, doch in drei Fällen machten wir eine Ausnahme und fügten Tourstops hinzu, da die jungen Leitenden sich den Besuch von uns explizit wünschten. Da dies einer unsere Hauptmotivationen war, müde und erschöpfte Leitende zu besuchen, die auch die Konsequenzen der Pandemie hautnah erleben, die durch politische oder dienstliche Situationen sehr gefordert sind, wollten wir genau diesen Leitenden wie Sajmir begegnen.

Wo immer wir hinkamen, stellten wir Fragen nach ihren Geschichten mit Gott, über die Kirche in ihrem Kontext und fragten sie nach Herausforderungen, durch die ihre Nationen gerade durchgehen. Immer schlossen wir mit Gebeten für sie ab und in acht Fällen ließen wir auch eine Spende für ihren Dienst da. Dies war eine kleine Geste, um unsere Wertschätzung für sie und ihre Arbeit auszudrücken.

Wir hatten für diese Reise vorher Fundraising unternommen gehabt, damit die Teilnahmegebühren für alle erschwinglich wurden und wir danken Gott für alle Spenderinnen und Spender, die dieses ermöglicht haben.

An unterschiedlichen Stellen haben wir uns theologische Ausbildungsstätten anschauen dürfen. Wir besuchten Claudia Böckle in Wien, die für das IGW in Österreich arbeitet; Melody Wachsmuth, die die erste Bibelschule für Roma-Angehörige in Zagreb, Kroatien aufbaut und sogar erstmalig zwei romanische Frauen im Kurs hat; das ISTL in Albanien (keine Verwandtschaft zum ISTL Schweiz), eine theologische Hochschule, die von Hervin Fushekati in Tirana verantwortet wird; die bulgarische Hochschule in Sofia, die von Tanya Petrova geleitet wird sowie Leonora Maloku aus dem Kososo, die in Prishtina die Bibelschule leitet.

Die meisten theologischen Schulen sind wie das IGW in Teilzeit zu absolvieren. Gerade in diesem Teil Europas müssen die Pastoren oft selbst noch in der Wirtschaft arbeiten und ihr Geld verdienen, da die Gemeinden oft zu klein sind, einen Pastor in Vollzeit anzustellen. Alle von ihnen zeigen auf, wie theologisches Studieren auch in herausfordernden Kontexten innovativ möglich ist.

Während wir durch 15 Nationen mit entweder einem muslimischen, orthodoxen, katholischen oder atheistischen Hintergrund reisten, erlebten wir 9 verschiedene Währungen und 17 Grenzübergange mit insgesamt 407 Minuten Wartezeit. Uns begegnete neben dem lateinischen Alphabet das kyrillische und das griechische und wir versuchten, in den 12 Sprachen, die wir erlebten, wenigstens Hallo und Danke zu sagen. Insgesamt trafen wir 205 Personen. Es war eine unglaublich bereichernde Erfahrung, so viel in so kurzer Zeit zu erleben. Außerdem haben wir die tolle und großzügige Gastfreundschaft genossen und durften in Privathäusern, Kirchengästehäusern und den Bibelschulen schlafen.

Wir lernten die verschiedenen Spannungen des Balkans kennen und wie ethnische oder religiöse Spannungen zum Leben der Menschen dort dazugehören. Sei es die Krise rund um Kosovo und Serbien, Nordmazedonien und Bulgarien, die Situation in Bosnien und Herzegowina, wo alle acht Monate die Regierung wechselt von den Bosniaken zu den Serben zu den Kroaten. Wie kann unter solchen Umständen überhaupt irgendeine Stabilität aufkommen? Wir hörten Christen auf allen Seiten zu, was uns oft sehr herausgefordert hat. Wie können wir alle an den gleichen Gott glauben und dabei Frieden und Versöhnung suchen?

Einen Abend hat uns die Spannung selbst erwischt, als wir von unserer geplanten Tour von Kosovo über Serbien nach Bulgarien abweichen und eine längere Route in Kauf nehmen mussten, da es über Nacht Unruhen an der Grenze zwischen Kosovo und Serbien gab. Wir haben das Land sicher verlassen, aber was ist mit unseren Geschwistern vor Ort, die auf beiden Seiten des Konflikts zurückbleiben?

Als Team lasen wir morgens den 1. und 2. Timotheus Brief und entdeckten neu miteinander, wie der Apostel Paulus den jungen Leitenden Timotheus ermutigte, weiter zu lernen und auch auszuhalten.

Während wir durch Thessaloniki fuhren und auch die Überreste der historischen Stadt von Philippi besuchten, wo die erste Europäerin Lydia getauft wurde, ist die Bibel ganz neu lebendig geworden. Während wir von Ort zu Ort fuhren, um Leitende zu ermutigen, konnten wir auf einer kleinen Skala etwas nachempfinden vom dem, wie Paulus Dienst ausgesehen haben muss, in dem er in Menschen investierte und diese ermutigte.

Die Begegnungen mit den Menschen

Die Länder, die wir besuchten, haben oft nur eine kleine Anzahl an gläubigen Christen. Von 200 bis 5000 Gläubige. Nur ein paar von den besuchten Ländern haben mehr als 20.000 evangelikale Christen. Wir nahmen an einem Gottesdienst in Montenegro teil, wo es im ganzen Land nur ca. 150 Christen gibt. Davon trafen wir allein 25 an diesem Ort. Das ist unglaublich und wir beten für Gottes Einschreiten und Multiplikation seines Reiches in den Nationen, aber auch für uns.

Ein Satz, den wir im Bus immer wieder wiederholten war, „wir sind wieder Helden des Glaubens begegnet“. Wir waren oft tief bewegt von dem, was unsere Geschwister dort mit Gott erlebten.

Wir sahen ihre tiefe Liebe zu Gott und dem ehrlichen Wunsch danach, dass sein Reich komme. Sie waren alle so leidenschaftlich und hingegeben im Glauben und in ihrer Berufung, trotz vieler Herausforderungen und schweren Situationen.

Die meisten von ihnen sind Pioniere, Gemeindegründer, Leitende und viele von ihnen außerdem die erste Generation an Christen in ihren Familien, Die meisten von ihnen haben selbst einen multikulturellen Hintergrund und das wirkt sich auf ihre Art und Methoden aus, wie sie ihren Dienst ganzheitlich versehen. Eine Gemeinsamkeit, die sie alle haben ist, dass sie schon durch Krisen, Krieg, Druck der Regierung, Ablehnung, Familienausschluss, Kritik, Mangel an sichtbaren oder greifbaren Erfolg und anderen Herausforderungen gegangen sind, und doch so fest an Jesus festhalten, als wäre er die einzige Sicherheit – und er ist es.

Diana, eine junge Leiterin aus Slovenien teilte mit uns, dass sie schon als Siebenjährige versucht hatte, sich umzubringen. Aber Gott bewahrte sie davor. Sie erkannte, dass Jesus die einzige Antwort für sie ist und beschloss, ihm ganz nachzufolgen. Dies war das letzte Mal, dass ihr Vater mit ihr sprach und das war vor acht Jahren.

Für die Teilnehmenden dieser Reise hofften wir auf eine größere Sicht auf die Dinge, die Gott in dieser Region tut, ein Lernen von unseren Geschwistern, wollten aber auch herausfinden, wo LeadNow als Organisation sich in der Zukunft stärker investieren sollte. Für den letzten Teil brauchen wir sicherlich einige Zeit, um das miteinander zu reflektieren, aber wir können mit Sicherheit sagen, dass unsere Herzen voll und auch gebrochen sind durch diese Erfahrung, während wir Zeit mit unseren Geschwistern verbrachten.

Ursprünglich wollten wir in zwei gemieteten Wohnmobilen unterwegs sein, aber die deutschen Versicherungspolicen erlauben keine Reise durch den Balkan. Nach Monaten der Recherche und Planung schien alles unmöglich zu sein. Völlig überraschend erhielten wir dann in letzter Minute den 9-Sitzer vom Leiter des Gebetshauses Annaberg-Buchholz, der uns durch drei Ecken empfohlen wurde. Es war einer der Wunder, die wir auf unserer Reise mit Gott erlebten.

Dadurch hatten wir zwei Sitze im Bus nicht belegt und bekamen die Möglichkeit, immer mal wieder Menschen mitzunehmen. Einer der schönen Begegnungen war das Aufeinandertreffen mit einem britischen jungen Ehepaar, Katie und Cameron. Wir trafen uns im Gottesdienst in Montenegro und stellten fest, dass wir alle nach Sarajevo in Bosnien und Herzegowina wollten. Spontan kamen sie bei uns mit und es wurde eine wunderschöne Fahrt. Cameron sagte, „Das ist so viel besser als mit Freunden zu reisen. Das ist Gottes großartige Familie und so viel schöner“. Es wurde zum Segen für alle Seiten.

Diese Reise wird noch sehr lange in unseren Herzen nachklingen. Es hat uns erneut herausgefordert, darüber nachzudenken, wie wir Jesus lieben und wie diese Liebe alles durchdringt was wir sind und tun. Es hat uns auch deutlich gezeigt, wie Gott am Wirken im Balkan ist und dass wir so viel von unseren dortigen Geschwistern lernen können.

Vielleicht kennst du ja jemanden aus dieser Region der genau heute deine Ermutigung benötigt?

Jeden Tag auf unserer Reise haben wir einen Vlog erstellt. Diese Videos findest du hier: https://www.youtube.com/channel/UCHRHB4XLwV4b3jDj4LCudMg

Mehr zu LeadNow: www.leadnow.center


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