Relevanzkrise, Bonhoeffer und neues Mönchtum

26.10.2020

Philipp Wenk über eine neue Art von Mönchtum

Titel

Es ist nicht unsere Sache, den Tag vorauszusagen – aber der Tag wird kommen –, an dem wieder Menschen berufen werden, das Wort Gottes so auszusprechen, dass sich die Welt darunter verändert und erneuert (Bonhoeffer).

Ob Bonhoeffer wohl ahnte, wie stark er selbst zu einer Inspirationsquelle für solche Menschen werden sollte? Ende 2019 ist das Buch Tänzer und Stolperer von Bernhard Ott erschienen. Kurz darauf, im Januar 2020, hat Christian Schwarz Gott ist unkaputtbar herausgebracht. So unterschiedlich diese Bücher auch sind – miteinander verbindet sie der inspirierende Dialog mit Bonhoeffers Leben, Fragen und Denken. Denn beide Autoren ringen mit Bonhoeffer gegen die «Relevanzkrise des Christentums». Und beide sind bestimmt von der Sehnsucht, dass «diese Welt wieder ins Lot kommen» kann.

Und damit sind sie nicht allein. Auch das so genannte Neue Mönchtum (new monasticism) stellt sich dieser Herausforderung und erkennt in Bonhoeffer eine wichtige Quelle der Inspiration:

Die Restauration der Kirche kommt gewiss aus einer Art neuen Mönchtums, das mit dem alten aber nur die Kompromisslosigkeit eines Lebens nach der Bergpredigt in der Nachfolge Christi gemeinsam hat (Bonhoeffer).

Eine neue Art von Mönchtum, Kompromisslosigkeit, Bergpredigt, Nachfolge… Neumonastische Bewegungen führen den Versuch von Bonhoeffer fort, kompromisslose Nachfolge im Geist der Bergpredigt neu – auf unseren Kontext zugeschnitten – zu leben. Sie möchten auf diese Weise in unserer (post-)modernen und post-christlichen Welt wieder neu zur Kirche für unsere Mitmenschen werden.

Persönlich angeregt von solchen neumonastischen Bewegungen hat Peter Graf in seiner MTh-Arbeit die Northumbrian Community als Fallbeispiel untersucht und mit Bonhoeffers Gedanken ins Gespräch gebracht. Dabei verstärkte sich in ihm die Überzeugung, dass eine neumonastische Spiritualität wie die der Northumbrian Community tatsächlich an Wichtigkeit gewinnen wird für die Vermittlung des Evangeliums in unserer fragmentierten Welt: Für Gott und Mitmenschen verfügbar sein und sich ihnen gegenüber verletzlich machen – das sind die zwei grundsätzlichen Regeln dieser Lebensform. Sie zeigt sich z.B. in der Gestaltung eines heilsamen Rhythmus, bei dem Bibelbetrachtung und Gebet den Tagesablauf unterbrechen und die Chance auf Korrektur und Neuausrichtung bieten. Zu dieser immer wieder neuen Ausrichtung sind täglich drei Fragen zu beantworten: Wem sollen wir folgen? Wie sollen wir dann unser Leben gestalten? Wie sollen wir des Herrn Lied singen in fremdem Lande?

Was Peter persönlich daran so begeistert? – «Die Northumbrian Community lebt die offenen Fragen, statt dass sie sich selbst und anderen ‘tote Gewissheiten’ auftischt.» Dies wiederum begeistert mich als Studienleiter. Was kann es Besseres geben, als wenn wissenschaftliche Forschung dazu beiträgt, dass solche gelebten Antworten auf lebensentscheidende Fragen gefördert werden!

Philipp Wenk
verantwortlich für das MTh-Programm bei IGW

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