Geistlicher Missbrauch, Raffael Sewer, 2020

01.09.2020

Geistlicher Missbrauch ist eine schwierig zu erfassende Thematik und in kirchlichen Kreisen häufig mit einem Tabu belegt. Die vorliegende Arbeit zielt drauf ab, Betroffenen eine Stimme zu verleihen und für die Problematik zu sensibilisieren. Hierzu wurde folgende Forschungs-frage gestellt: Wie beschreiben Betroffene in Freikirchen die Auswirkungen von geistlichem Missbrauch auf ihr Leben und den Einfluss auf ihren Glauben? Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurde als Vorstudie eine Online-Umfrage durchgeführt. In der zweiten Phase wurden sieben narrative Interviews mit Betroffenen geführt, um ihre subjektiven Ansichten zu erörtern, und mittels der Grounded Theory ausgewertet. Die hohe Rücklaufquote zeigte, dass es sich hierbei um ein relevantes Thema handelt. Aufgrund der Interviewaussagen lässt sich festhalten, dass die Betroffenen in ihrem Leben stark erschüttert wurden, sie die Krise aber zur Neuorientierung nutzen konnten. Deren Ausrichtung zeigt sich in der Entwicklung einer eigen-ständigen Identität und eines kritischen Glaubens. Die Betroffenen sind des heuchlerischen Ge-barens und der Doppelmoral in Kirchen überdrüssig. Sie wünschen sich eine Kirche, in der sie sie selbst sein können, eine Kirche, die Vielfalt und nicht Konformität fördert, die keinen Mo-nolog, sondern einen Dialog auf Augenhöhe führt. Es liegt nun an den Führungskräften ent-sprechende Rahmenbedingungen in Kirchen zu schaffen und Menschen in der Entwicklung eines mündigen Glaubens zu unterstützen. 


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